Moment mal zum vierten Fastensonntag - Umkehr ist möglich

Bild: Martin Manigatterer In: Pfarrbriefservice.de

Auch alle führenden Männer Judas und die Priester und das Volk begingen viel Untreue. Sie ahmten die Gräueltaten der Völker nach und entweihten das Haus, das der HERR in Jerusalem zu seinem Heiligtum gemacht hatte.Immer wieder hatte der HERR, der Gott ihrer Väter, sie durch seine Boten gewarnt; denn er hatte Mitleid mit seinem Volk und seiner Wohnung. Sie aber verhöhnten die Boten Gottes, verachteten sein Wort und verspotteten seine Propheten, bis der Zorn des HERRN gegen sein Volk so groß wurde, dass es keine Heilung mehr gab. (2 Buch der Chronik 36,14-16)

Religion schützt nicht vor Untaten. Die Gläubigen benehmen sich nicht anders als die sogenannten Heiden. Die Heilige Schrift schien zur bloßen Folklore verkommen zu sein. Die Worte, die darin standen waren jedenfalls leer und inhaltlos geworden. Der Tempel war – um in den Worten des letzten Sonntags zu bleiben – zur Räuberhöhle verfallen.
Prophetinnen und Propheten warnten die Menschen und riefen zur Umkehr auf: „Wenn ihr so weitermacht, wenn ihr andere Menschen drangsaliert, Ungerechtigkeit nicht bekämpft und Gottes Weisung missachtet, dann werdet ihr geradewegs in den Untergang gehen.“ So kam es auch. Der König von Israel wollte sich zu einem Größeren aufspielen und brach mit dem babylonischen Herrscher, dem er sich einst als Vasall verpflichtet hatte. Dieser, es war der berühmte König Nebukadnezzar, ließ sich das nicht gefallen und überrannte das Land mit seiner Armee und verschleppte die Bevölkerung nach Babylon.
Die Menschen interpretierten das als Zorn Gottes. Aber im Grunde waren sie es, die sich selbst ins Unglück gestürzt hatten. Es folgten 40 Jahre der Neuorientierung in der Verbannung. Bis dann der Perser König Kyrus Babylon eroberte und Israel wieder in die Heimat zurück durfte.
Das ist alles andere als eine Ruhmesgeschichte. Viele Menschen mussten ihr Leben lassen. Überheblichkeit, falsche Selbsteinschätzung und Allmachtsphantasien leisteten ihren tödlichen Beitrag. Immer waren es Menschen, die anderen Menschen das Leben unmöglich machten. Die Bibel spricht da deutliche Worte: die Menschen sind für den eigenen Untergang verantwortlich.
Für mich hat das nichts an Aktualität eingebüßt, wenn täglich Menschen ihr Leben lassen müssen, weil Potentaten meinen, sie seien zu Weltenherrschern berufen. Die österliche Bußzeit fordert uns auf, umzukehren, umzudenken und neu anzufangen. Das kann in allen Bereichen des menschlichen Lebens erfolgen: im Kleinen wie im Großen.
Umkehr ist möglich so sagt Bibel. Am Ende steht dann nicht der Untergang, sondern Gottes Erbarmen und Liebe, denn er hat kein Interesse am Unglück der Menschen.