„Ich bin der ich bin“

Neuer Kerzenständer in St. Markus. Die Einweihung fand im Gottesdienst am 4. Mai statt.

Der Künstler Rudolf Kurz, Ellwangen
Der Künstler Rudolf Kurz, Ellwangen

Ein besonderes Kunstwerk konnte die St. Markus Gemeinde in einem festlichen Gottesdienst seiner Bestimmung übergeben. Im Rahmen der „Hocketse“ am 4. Mai segneten Vikar Nico Schmid und Pastoralreferent Wolfram Rösch den neuen Kerzenständer. Gestaltet hat ihn der Ellwanger Bildhauer und Künstler Rudolf Kurz. Das Kunstwerk ist in bronzefarben gehalten, womit der Künstler das Material der Kirche wie Kreuz und Ambo aufgreift. Auffallend ist die golden polierte Fläche des Kerzenständers. Hier sind Hebräische Buchstaben zu entdecken. Rudolf Kurz zitiert hier die bekannte Erzählung vom brennenden Dornbusch mit der Offenbarung des Gottesnamens an Mose im Buch Exodus (3,1-14). Die Buchstaben stehen für: „ähjä asher ähjä“ und sind die Antwort auf die Frage Mose, wie der Gott der Väter heiße.
In seiner Rede erläuterte Rudolf Kurz die Schwierigkeit, dafür eine angemessene Übersetzung zu finden. Die Worte können bedeuten „Ich bin da“, „Ich bin der ich bin da“, „Ich bin“ oder „Ich werde da sein, als der ich da sein werde.“ Aber das bedeute eine große Offenheit und Vielfalt, das Geheimnis Gottes zu entdecken. Die Dynamik der Hebräischen Buchstaben, die wie Feuerzungen aussehen, unterstreicht das.
Wolfram Rösch ging in der Predigt auf diese Symbolik des Kerzenständers ein: „Vielleicht ist es gerade dieses nicht feste Gottesbild, das die jüdische Religion so lange existieren lässt. Gott ist keine Sache neben anderen, sondern ein Ereignis, das unsere Augen öffnet, das aber auch aufschreckt und erschreckt. Israels Gott ist ein lebendiger, wacher und aufmerksamer Gott.“ Im Kirchenraum befindet sich jetzt genau gegenüber zwei Darstellungen des Dornbusches: Der Ambo, das Lesepult, und genau gegenüber, der Kerzenständer. Die Menschen sind eingeladen, eine Kerze anzuzünden, still zu werden, sich Zeit zu nehmen und vielleicht ein Gebet zu sprechen.
"Hinter jedem Licht stehen immer ganz individuelle Schicksale, warum eine Kerze jene Dunkelheit durchdringen und erfüllen soll, für die sie entzündet wurde: sei es eine Krankheit, Schuld, Ohnmacht, aber auch Freude, die darin zum Ausdruck kommt, oder eine Ermutigung, vielleicht ein Hoffnungslicht, dass Frieden kommen möge. Die Kerze ist eine solidarische Verbindung mit den Menschen, für die sie angezündet wurde, aber auch mit jenen, denen niemand ein Licht schenkt. Eine Kerze ist ein Appell an Gott, sich eben als derjenige zu zeigen, der da ist, ganz besonders in manch dunklen, vertrackten und ausweglosen Situationen, in denen Menschen stecken können. Und zugleich spiegelt sich im Kunstwerk von Rudolf Kurz das Licht in der goldenen Fläche des Namen Gottes und verdoppelt sich. Es steckt jene Menschen an, die davorstehen und gibt eine Erinnerung, dass wir selbst Licht sein können für diejenigen, an die wir uns erinnern." Sagte der Pastoralreferent.
Im Anschluss an den Gottesdienst fand die traditionelle Hocketse der St. Markus Gemeinde statt. Der Erlös wird für die Romwallfahrt der Ministrantinnen und Ministranten verwendet. Ebenso nutzen viele Menschen die Anwesenheit des Künstlers Rudolf Kurz, um mit ihm über das Kunstwerk ins Gespräch zu kommen.